Live at La Ola
KJ ROSS & THE END OF DAYS ENSEMBLE

ROSE022 - Soul Jazz
Vinyl, digital - VÖ: 04/12/2026
Spieldauer: 38:11 min
Track list:
SIDE A
1. Alligator Boogaloo – 7:46
2. Moanin’ – 9:10
SIDE B
3. Chitlins Con Carne – 7:10
4. Carrot Cake – 6:04
5. Blues For Kenny B. – 8:01
Besetzung:
Klaus Jürgen Ross – Guitar
Johannes Geiss – Alto Sax
Peter Adamietz – Hammond B3
Stefan Seegel – Drums
Artwork:
Andrea Döbler
Recorded:
Live at La Ola by Julia Fischer &
Simon Froschauer
Mix and Master:
Roony Road Recording Studio
Bis ans Ende aller Tage...
Man muss sich das so vorstellen: Dezember 2012. Die Maya haben das Ende der Welt terminiert, anderswo werden Konservendosen gehortet, und in einem Nürnberger Jazz-Café, kaum größer als ein Wohnzimmer, stehen Musiker in schwarzen Anzügen und Hüten neben der Bar. Sie spielen, als gäb’s kein Morgen. Totengräber-Chic. Wenn schon Apokalypse, dann bitte mit Hammondorgel. Die Band nennt sich, naheliegend, The End of Days Ensemble, und gedacht war das Ganze für genau einen Abend. Dann ging die Welt doch nicht unter, und die Band hatte ein Problem: Sie war zu gut, um einfach aufzuhören. Das Ende seiner Tage erlebte Jahre später das La Ola. Das charmante Tagescafé, das zweimal im Monat zur legendären Jazz-Bar avancierte, schloss 2025. Beim letzten offiziellen Konzert liefen die Aufnahmegeräte mit, und so gibt es jetzt eine Vinylaufnahme, die zugleich ein Nachruf ist und den Spirit lebendig hält: „Live at La Ola“.
Der Mann an der Gitarre heißt Klaus-Jürgen Ross, aber so nennt ihn keiner. KJ („Kay Jay“), Jahrgang 1967, fängt mit Punk in der fränkischen Provinz an, Hauptsache laut. Von Punk zum Funk ist es ein kurzer, schweißtreibender Ritt. Mit 17 gründete er Fazzoletti, eine preisgekrönte Funk-Abräumertruppe mit Touren durch die Republik und die Schweiz. Dann zieht es ihn solo mit Rucksack und Reisegitarre quer durch Asien. Irgendwo in Indien lässt er sich ein Musiktheoriebuch nachschicken, Quintenzirkel zwischen Chai und Monsun. Spätestens da ist klar, dass das mit der Musik nicht nur ein Hobby bleibt. Es folgen das Jazzgitarren-Studium am Meistersinger-Konservatorium Nürnberg, u. a. bei Frank Möbus und dann New York, mit Unterricht bei Peter Bernstein und Pat Martino. Seit 2008 groovt er mit Supersoft und lässt mit der Japanischen Clubjacke Vintage-Synthesizer von Berlin bis Glasgow glühen. „Musik ist für mich eine Sache für Bauch und Beine, der Groove geht vor dem Intellekt, die Energie vor der Perfektion.“ Ein Rest Punk ist geblieben.
„Live at La Ola“ atmet diese Haltung. Unprätentiös und ehrlich. Hier ist nichts poliert, nichts beschönigt. Es ist der Sound eines Abends, bei dem die Fensterscheiben mit der ersten Nummer noch ein letztes Mal beschlagen. Das Publikum schwitzt, tanzt oder sitzt der Band auf dem Schoß, ruft dazwischen. Feiert und ist glücklich. Kein Wunder... KJ Ross steht mittendrin, mit Archtop-Gitarre, ohne Effektgeräte: Gitarre, Kabel, Verstärker, fertig. Sein Röhrensound schneidet messerscharf und funky durch den kleinen, übervollen Raum, seine Soli spannen weite Bögen. Johannes Geiss zündet das Altsaxofon, hell und satt. Peter Adamietz erledigt an der Hammond B3 Akkorde und Bass gleich mit. Und Stefan Segel an den Drums überrascht immer wieder neu mit treibenden Grooves. Nichts für Stillsteher.
Am Ende ist diese Platte eine Verbeugung geworden: vor Lou Donaldson, Bobby Timmons, Kenny Burrell und Peter Bernstein, vor dem Soul-Jazz der 1960er, vor George Benson und Wes Montgomery. Und vor Nicoletta und Pascal, ohne deren La Ola es diesen Abend nie gegeben hätte. Und der Weltuntergang? Wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

