Sweet & Sour

TWOTWO

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ROSE017 - Modern Jazz

CD (Digipack), no format - VÖ: 27/05/2022

Spieldauer: 61:39 min

TWOTWO - "Clish-Ay"

TWOTWO - "O Sacrum Convivium"

​Track list:

  1. Sweet & Sour — 07:51 

  2. Chlish-Ay — 05:35 

  3. Circles — 05:02 

  4. 22 Grad — 05:13 

  5. Crossing Borders — 07:35 

  6. The Hermit — 06:13 

  7. Don’t Call Me Old — 07:32 

  8. June — 05:41 

  9. O Sacrum Convivium — 05:34 

  10. Sorry I Forgot — 05:17 

Besetzung:

Markus Harm — (Altsaxophon)

Lutz Häfner — (Tenor- und Sopransaxophon)

Jens Loh — (Kontrabass)

Philipp Leibundgut  (Schlagzeug)

JAZZ 'N' MORE:

"Auf höchstem Niveau kommunizieren die beiden Saxophinsten miteinander... Ein schönes Werk, natürlich, manchmal lyrisch, immer inspirierend". 

TWOTWO liefert den Beweis, dass zwei mal zwei nicht vier, sondern eins ergibt. Da sitzen zwei Saxophonisten seit vielen Jahren in der Horn-Section des Sunday Night Orchestras nebeneinander, der eine am Tenor, der andere am Alt. Sie belauschen sich im besten aller Sinne. Die Phrasierungen, die Klangfarben, die Soli des anderen. Sie schätzen sich, es schwingt, musikalisch wie menschlich. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sie beschlossen, für ein eigenes, gemeinsames Projekt ins Studio zu gehen. 

 

Es mag an der Bodenhaftung der beiden geerdeten Saxophonisten Lutz Häfner und Markus Harm liegen, dass sie ihre Namen nicht ins Zentrum des Bandprojekts TWOTWO rücken. Sie stellen ihr Können lieber in den Dienst der Musik, sortieren sich ein und bringen so zum Ausdruck, worum es ihnen hier geht: Zwei Saxophone, zwei Rhythmusinstrumente. Und die weite Welt der Möglichkeiten dazwischen. Denn mit dem Verzicht auf ein Harmonieinstrument krempeln die Vier das Einmaleins des gewöhnlichen Quartett-Spiels um und betreten einen Raum der Freiräume. Der auch gefüllt werden möchte. Dem Jazzkenner mögen an dieser Stelle die „Live At The Lighthouse“-Aufnahmen von Elvin Jones aus dem Jahr 1973 in den Sinn kommen, die auch für TWOTWO als Quell der Inspiration dienten. Es geht beim vorliegenden Album „Sweet & Sour“ um das Ausloten des Spannungsfeldes zwischen Freiem und harmonisch-rhythmischer Gebundenheit. Markus Harm dazu: „Was uns antrieb war die Frage, wie man arrangiert, schreibt und spielt, wenn das verbindende Harmonieinstrument fehlt“. Lutz Häfner ergänzt: „Genau, wir wollten einerseits nicht so klingen wie ein Quintett, bei dem man das Piano weggezogen hat, aber andererseits den entstandenen Raum auch nicht einfach ‚free‘ füllen. Wir denken abstrakt, sind aber trotzdem in der Tradition verwurzelt“. Dass das bei TWOTWO so gut funktioniert, liegt auch an Kontrabassist Jens Loh, feste Größe u.a. beim Markus Harm Quartett MHQ und dem kreativem Schweizer Schlagzeuger Philipp Leibundgut, den Lutz Häfner über seine Professur an der Berner Musikhochschule kennengelernt hat. Sensibel und klug legen sie das Fundament, bilden den gemeinsamen Nenner. Es ist der Anspruch aller Vier, Arrangements zu schreiben, bei denen das Publikum die fehlenden Harmonien selbstständig komplettieren kann. „Bestenfalls funktioniert das ähnlich wie bei einer MP3, bei der einige Informationen weggelassen werden und das Gehirn den Rest selbst dazu ergänzt“, erläutert Bassist Jens Loh. 

 

Auffallend beim vorliegenden Album „Sweet & Sour“ ist der direkte Sound der aufgenommenen Session, ungekünstelt, natürlich. Er vermittelt Nähe, als stünde man selbst live dabei im Studio neben den Musikern. Nahezu paritätisch steuern die Bandmitglieder ihre Stücke bei. Allesamt Eigenkompositionen, bis auf „O Sacrum Conivivum“, hier hat sich Olivier Messiaen eingeschlichen.  

 

Die Besonderheit für die Zuhörerschaft besteht bei TWOTWO aber auch darin, den beiden hervorragenden Saxophonisten bei ihren Konversationen zuzuhören. Fast wie die Stimmen zweier Brüder gleicht sich ihr Ton. Voll, warm, durchsetzungsfähig der Sound, lyrisch das Spiel, technisch auf höchstem Niveau. „Für mich“, erzählt Harm, „hat Lutz einen der größten Tenor-Sounds der Szene“. 

 

Und was fasziniert einen Musiker wie Lutz Häfner nun an TWOTWO? Einen, der im Musikgeschäft ganz oben spielt? 2013 einen Jazz-Echo erhielt, mit den Fantastischen Vier und Cro auf der Bühne steht, für Till Brönner und Max Herre produziert oder Orchesterwerke für die Schweizer Rapperin Loredana arrangiert? Wohl sein Naturell als Segler zwischen den Klangwelten, mit viel Wind in der Lunge. „Mich hat schon immer Vieles gleichermaßen interessiert. Ich habe nie einen Stil über den anderen gestellt. Aber ich gebe zu, es mag für Außenstehende ein wenig schizophren klingen, wenn ich heute mit Cro unplgged auf Tour gehe und morgen mit den Jungs ein Stück von Olivier Messiaen im Jazzquartett aufnehme. Das ist aber genau das, was ich liebe. Musik, die mich inspiriert. Frisch und gut gespielt ist. So wie hier eben“.

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TWOTWO - "Sorry I Forgot"